Zur Zeit gibt es kaum eindeutige Zahlen darüber, welche Qualifikationen viele der hier ankommenden Flüchtlinge besitzen1, weshalb man auch nicht genau sagen kann, wieviele theoretisch eine Hochschule besuchen könnten. Umso wichtiger ist es daher, denjenigen die Möglichkeit zum Studieren zu geben, die prinzipiell dazu in der Lage sind.

Einige Hochschulen haben daher bereits wegweisende Maßnahmen umgesetzt wie z.B. kostenlose Gasthörerschaften, eigens eingerichtete Vorbereitungskurse oder die Einstufung der Geflüchteten als Austauschstudenten2

Unabhängig von der offiziellen Hochschulpolitik haben sich auch an der TU bereits mehrere Projekte gegründet, die sich mit der Flüchtlingsthematik befassen3. Ein unipolitischer Gesamtplan fehlt jedoch noch immer. Nicht einmal vom StuRa hört man von einer Forderung nach konkreten Maßnahmen zur Aufnahme qualifizierter Flüchtlinge. Rein rechtlich steht dem jedenfalls nichts im Weg, denn das sächsische Hochschulgesetz erlaubt die Aufnahme von Asylbewerbern an der Uni (oder schließt es zumindest nicht explizit aus4).

 

Ein guter Anfang

Wie eine erste Maßnahme diesbezüglich aussehen könnte, zeigt sich anhand eines Miniprojekts des Lehrstuhls für Finanzwirtschaft von Herrn Prof. Thießen. Der selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommene Student Salam Darwish bietet Informationskurse für interessierte Flüchtlinge an, die in den Asylunterkünften auf dem Campus untergebracht sind.

Mit Hilfe des DRK hängt er in den Asylunterkünften Listen aus, auf denen sich Interessierte

eintragen können und holt sie am genannten Termin einfach vor Ort ab. Dann gibt es erstmal

Selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen, hat Salam Darwish 2015 angefangen an der TU zu studieren und zeigt nun neu angekommenden Flüchtlingen wie es an der Uni läuft.

Selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen, hat Salam Darwish 2015 angefangen an der TU zu studieren und zeigt nun neu angekommenden Flüchtlingen wie es an der Uni läuft.

grundsätzliche Informationen über die Forschungsgebiete und Ziele der TU, sowie eine kurze Fragerunde. Anschließend geht es in die Bibliothek im Pegasuscenter, wo Salam simultan zu dem vortragenden Angestellten übersetzt. Die Geflüchteten werden über die Möglichkeiten zum Internetzugang, Literaturrecherche und Ausleihsystem informiert – eigentlich genau so wie das wohl so ziemlich jeder Student miterlebt hat.

Für Salam ist hierbei vor allem eins wichtig: der schnelle Zugang zu Lehrmaterialien, besonders für die deutsche Sprache. Er selbst hat die Sprachhürde bereits weit hinter sich gelassen, was umso erstaunlicher ist, da er gerade mal 2 1/2 Jahre in Deutschland ist. Insbesondere im Umgang mit den Behörden und bei der Jobsuche, meint Salam, ist Deutsch aber schlichtweg unerlässlich.

 

Hürden

Wir kennen alle selbst die Schwierigkeiten, die mit der Behördensprache verbunden sind und dementsprechend schwierig ist es, in die eine wie in die andere Richtung zu übersetzen. Doch auch an der Universität selbst bestehen viele Hindernisse für die potentiellen Studenten. Immer wieder muss Salam z.B. wichtige Seiten der Website übersetzen, weil sie nicht einmal auf Englisch zugänglich sind, obwohl ja offiziell eine übersetzte Version existieren sollte. Auch das Angebot an englischen Studiengängen ist nicht ohne weiteres ersichtlich und zugänglich (404 here5). Ein weiteres Hindernis ist die obligatorische Bewerbung über Uni Assist, die 75€ für die erste Unibewerbung und 15€ für jede weitere (vorausgesetzt im selben Semester!6) kostet. Das ist viel Geld für einen Flüchtling, insbesondere wenn man es mit den hierzulande üblichen kostenlosen Mehrfachbewerbungen deutscher Studenten vergleicht.

 

Realisierung

Von der Universität würde sich Salam eine größere Offenheit wünschen, die insbesondere in Informationsveranstaltungen und klaren Zugangsvoraussetzungen bestehen könnte. Zwar sind die Regelungen zur Immatrikulation von Flüchtlingen bereits gelockert – sie müssen z.B. nur einen indirekten Nachweis eines Abituräquivalents nachweisen7 – aber selbst das ist unter den Fluchtumständen oft schwierig, da viele verständlicherweise nicht zuerst an ein Schulzeugnis denken, wenn sie vor Krieg und Terror fliehen. Die Universität muss hier Möglichkeiten schaffen, beispielsweise durch Qualifikationstests, Selbstaussagen von Geflüchteten zu überprüfen und gegebenenfalls Zugang zu Lehrveranstaltungen zu gewähren.

Die bestehenden Chancen der Flüchtlingsbewegung werden sich nicht automatisch verwirklichen und jede Universität sollte eine klare Position zu der Thematik formulieren, in der sie ihrer Rolle als Bildungsvermittler gerecht wird.

– Konstantin Müller

 

1 http://mediendienst-integration.de/artikel/welche-qualifikationen-bringen-asylbewerber-wie-hoch-ihr-bildungsnevau.html

4 http://www.studieren.sachsen.de/6645.html

5 https://www.tu-chemnitz.de/international/studierende/studiengaenge.php.en

6 http://www.uni-assist.de/regulation-fees.html