Kulinarische Entgleisungen in den Heiligen Hallen der Uni. Die Mensa bietet Grund für bedröppelte Gesichter bei Nudelfreunden, die mit trockenem Mund und halbleerem Magen von dannen schreiten mussten. Eine herbe Enttäuschung für alle, die sich in Anbetracht der in der Regel ewig gleichen WG-Kost zur Feier des Tages mal Pasta gönnen wollten.

 

Das Mittagessen bietet uns Studierenden eine wunderbare Möglichkeit, die Uni mal Uni sein zu lassen und zwischendurch was Warmes „zwischen die Kiemen“ zu kriegen. Fokus der Aufmerksamkeit sollte hierbei das Essen sein; das Gehirn macht Pause, die Geschmacksknospen erwachen. Umso bedauerlicher ist es da, sollten sie umsonst aufgewacht sein.

Weniger als das Interieur der Mensa, das mal mit Lametta, mal mit National-Fläggchen auch den verpeiltesten Studierenden daran erinnert, was gerade thematisch stark nachgefragt ist, sollte also das Essen selbst von Interesse sein. Viele Stimmen können dem Mensa-Essen nicht viel Gutes abgewinnen; bis auf nahezu immer versalzenen Reis kann ich dem aber nicht beipflichten. Ein Gericht hat jedoch den Vogel abgeschossen; die Schere zwischen Mensa-App-Foto und Realität hat sich mindestens zwei Mal überschlagen. Vor lauter Schock war ich nicht mal im Stande, Beweise mit meinem tragbaren Telefon zu erstellen.

Zu allem Übel handelte es sich um ein „Motto-Essen“ und war Bestandteil der „GoNext!“-Diskussions- und Informationstage Ende Mai. Es galt, ein Gleichgewicht zwischen den Vorlieben von Schnitzel-Sven und Tofu-Tanja herzustellen. Besagtes Gericht wurde angepriesen als regional, biologisch und unter Beachtung des

Mensa-Nudeln

Der Nudel-Köder (Quelle: Mensa Chemnitz App)

Stichwortes „Ressourcenschonung“. Ursprünglich eher mit Blick auf reduzierten Fisch-/Fleischkonsum, bestand die Ressourcenschonung eher darin, kaum Zutaten hinzuzugeben. Gar lieblich klang die Bezeichnung „Vegetarische Pasta: Boccolotti mit Bio-Stangensellerie, Tomaten, Basilikum und Bio-Mozzarella“ – jeder halbwegs gescheite Italiener hätte bei den Worten alles stehen und liegen gelassen und wäre zur Mensa gerannt.

„Man kann Nudeln machen warm, man kann Nudeln machen kalt“ – und man kann Nudeln machen falsch, um die wackligen philosophischen Auswüchse Peter Ludolfs zu vervollständigen. Ebenso einfach gehalten wie das Ludolf’sche Zitat ist die Zubereitung der Mensa-Nudeln. Man nehme einfach viele Nudeln, ein Tomaten- und zwei Brokkoli-Stückchen und streue eine Prise Mozzarella darüber. Dabei nicht vergessen, die Nudeln mit einer homöoopatischen Dosis Sauce zu besprühen, den Staudensellerie gegen eine labbrige Zucchinischeibe auszutauschen (Staudensellerie kann eh kein Mensch identifizieren) und den Basilikum vollständig wegzulassen – et voilà! Das Werk wäre vollbracht: Ressourcen geschont und die Studierenden dazu veranlasst, beim Verlassen des Speisesaals verstohlen auf Schnitzel-Svens Teller zu schielen.

(Ruth Schweikert)